Weinguide

Riesling und die Reife

Die Jugend, ist es nicht das, was viele von uns denken, was einen weißen Wein oder auch unser Leben ausmacht? Die Reife wird oft als das Unvermeidbare und auch nicht immer Gewollte angesehen, in eigentlich allen Dingen. Oder sagen wir in fast allen.

Frische, Spontanität, eine besondere Leichtigkeit – diese Eigenschaften versuchen wir meistens zu erhalten. Bis zu jenem Tag, wo wir unsere eigene Lebenserfahrung als etwas Besonderes ansehen, was wir so in der Jugend natürlich noch nicht sehen konnten. Nehmen wir uns die Zeit uns selbst zu betrachten, werden wir etwas in uns finden, was nur eine gute Reife hervorrufen kann.

Genauso verhält es sich auch mit der Königin der Weißen Rebsorten, unserem überaus verehrten Riesling. Sie kann wirklich alles! Ihre Weine können bereits wunderbar in der Jugend getrunken werden und sehr viel Spaß machen, einfach und unkompliziert.

Sie kann aber vor allem Eines und das besser als die meisten Rebsorten der Erde: Sie kann reifen und Weine hervorbringen, die nicht austauschbar sind, sondern wirklich ergründet werden müssen. Über viele Jahrzehnte in unserer moderneren Zeit war Riesling eine extrem unterschätzte Sorte, vor allem für gereifte Weine. Und das obwohl es Zeiten gab, in denen für ihre Weine genauso viel bezahlt wurde wie für die besten Weine des Bordeaux.

Die Kombination aus Standort, Jahreswetter, Weinbergspflege und natürlich Personen mit einer Vision und diesem besonderen Gefühl für ein mögliches Potential kann Weine entstehen lassen, die sich auch nach 60 oder mehr Jahren Reife zu etwas so Wunderbarem entwickeln, dass nur das Wort “Kunst” der richtige Ausdruck ist.

Was aber passiert bei der Reife des Rieslings und macht die Weine so besonders?

Pauschal lässt sich das für den Weingenuss nicht erklären*, da jeder Weinstil inklusive der jeweiligen Geschmacksrichtungen, Qualitätswein, Riesling Kabinett, Spätlese, diverse Auslese und Eiswein, sowie die oben beschriebenen Faktoren ausschlaggebend dafür sind, wie ein Wein reifen könnte. Hinzu kommt der individuelle Lagerort, welcher sehr viel Auswirkung hat.

Nehmen wir als Beispiel eine fruchtsüße Spätlese von der Mosel. In der Jugend wirken diese durch die hohen Weinsäuren einerseits sehr spitz, mit vielen grünen Aromen und ebenfalls sehr süß durch den hohen Traubenzuckergehalt. Keine Frage, auch diese junge Spätlese ist schon zu trinken und kann Spaß machen. Das wahre Potential kommt aber erst zum Vorschein, wenn die Weinsäuren, die Süße und der Alkohol zueinander finden und eine Einheit bilden. Es kann eine Balance entstehen, welche weder das eine noch das andere als ein Extrem erschmecken lässt. Die Weine können dann auch sehr zähflüssig bis ölig wirken und die Aromen ändern sich hin zu reifen Früchten, teils Trockenfrüchten, und die Farbe verändert sich in ein strahlendes volles Gold bis hin zu tiefem dunklen Bernstein. Diese Komplexität kann wirklich als Tor in eine andere Geschmacksdimension bezeichnet werden.

In der Reife entwickelt der Riesling noch eine Besonderheit, einen Ton, welcher sehr stark an Petroleum erinnert und auch daher seinen Namen bekam: Petrolton oder chemisch TDN. Dieser Ton ist sehr polarisierend, denn entweder mag eine Person diesen Ton oder nicht. Er entsteht durch die Intensität der Sonneneinstrahlung in dem jeweiligen Jahr. Je höher diese war, desto eher die Bildung von TDN bei der Reife eines Rieslings, und desto bessere Lagerfähigkeit.

*Der mikrobiologische Reifeprozess lässt sich natürlich auch einfach technisch darstellen.

Reife vs Oxidation

Manchmal werden Reife und Oxidation, auch Firne, miteinander verwechselt, auch wenn natürlich die Reife nicht ohne einen gewissen Oxidationprozess möglich ist. Allerdings ist eine Reife etwas Wunderbares und die Oxidation schon ein weiterer Prozess in Richtung Endprodukt der Weinbeere, dem Weinessig. Bei anderen Weinstilen durchaus gewollt.

Reife Weine kaufen oder junge Weine kaufen und selbst lagern?

Am besten ist es, beim ersten Mal direkt einen reifen Wein zu kaufen und zu erkunden, ob man diesen Weinstil mag, auch wenn der Preis für diesen höher liegt als bei dem gleichen Wein eines jüngeren Jahrgangs. Hier sei wiederum bemerkt, der eigene Geschmack ändert sich auch über die Jahre, mit der eigenen Reife und auch der Erfahrung mit Wein.

Die Preise für reifere Weine sind in der Regel höher, da die Kosten für die Lagerung und eingesetztem Kapital entweder direkt durch die Winzer oder die Weinhändler pro Flasche mit kalkuliert werden müssen. Meist kann davon ausgegangen werden, dass dafür die Weine auch trinkbar sind und gut gelagert wurden.

Wird sich dagegen für junge Weine entschieden, da können wir natürlich behilflich sein, für welche Lagerzeiten sich welcher Wein eignet. Wichtig hierfür sind die Lagerstätte und Gegebenheiten wie Temperaturschwankungen, Feuchtigkeit und Lichteinfall zu beachten. Schreibt uns einfach an!

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